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Geschichte und Hintergründe

Das „Jerusalem“ in Hamburg besteht als Name und Institution schon seit über 150 Jahren.

„Geburtshelfer“ des heutigen Organzentrums mit dem Schwerpunkt „Brustgesundheit“ ist Dr. Arnold Frank. 1859 in Ungarn geboren, wandert der jüdische Mann im Alter von 17 Jahren nach Deutschland aus. Die Welt zu sehen, war schon immer sein größter Traum. In der Hansestadt Hamburg angekommen, beginnt Arnold Frank, in der Bank „Rothschild & Baruch“ zu arbeiten. Dass er eines Tages Gründervater eines Kirchengebäudes mit angeschlossenem Missions- und Krankenhaus sein würde, ahnt er zu diesem Zeitpunkt nicht. Eine schicksalhafte Begegnung in der Mittagspause bestimmt seinen gesamten weiteren Lebensweg.

Jerusalem-Gründer Pastor Arnold Frank, porträtiert von Thea Warneke um 1930

Nach einem netten Gespräch mit dem Tischnachbarn, einem Mitglied von der irisch-presbyterianischen Kirche gegründeten Jerusalem Gemeinde, lädt dieser den zugezogenen Bankangestellten zu sich nach Hause ein, um ihm mit dem Gesang seiner Kanarienvögel eine Freude zu machen. Es folgen gemeinsame Spaziergänge, Teestunden und Kirchenbesuche. Frank interessiert sich sehr für seine Mitmenschen und ist offen für neue Einflüsse. Von Gottesdienst zu Gottesdienst wächst seine Überzeugung, im Christentum seinen wahren Glauben gefunden zu haben. Im Juni 1877 wird Arnold Frank von Pastor Dr. J. C. Aston, einem von Irland entsandten Judenmissionar, getauft und danach väterlich gefördert. Frank studiert Theologie in Belfast und kehrt anschließend zurück nach Hamburg. 1884 wird er selbst Pastor der Jerusalem Gemeinde, mit der für ihn alles angefangen hatte.

Arnold Frank, ein Visionär und Mann der Tat, legt 1911 an der Schäferkampsallee / Ecke Moorkamp den Grundstein für eine neue Kirche der Jerusalem Gemeinde, ein Diakonissenhaus sowie ein angeschlossenes Kranken- und Missionshaus: das Krankenhaus Jerusalem. Zwei Jahre später öffnet es für Menschen aller Religionen und Konfessionen seine Türen.

1913 bis 1933

Diakonissen im Treppenhaus der Klinik, 1925

Die wesentlichen Fachgebiete des neuen, nach modernsten Standards errichteten Diakonissen- und Krankenhauses sind Innere Medizin, Gynäkologie, Geburtshilfe, Chirurgie, Orthopädie und HNO. Neben drei fest angestellten Hausärzten, darunter ein Internist und ein Chirurg, nutzen zahlreiche Belegärzte das Krankenhaus. Ausgestattet ist es mit zwei Operationssälen, 46 Betten (davon zwölf für Kinder), Räumen für Röntgendiagnostik, Röntgenbestrahlung und Lichtbehandlung. Krankenhausvorstand und Diakonissen sind bemüht, es den Patienten besonders behaglich zu machen. Säle mit mehr als 20 Betten, wie in anderen Krankenhäusern üblich, gibt es nicht. Das größte Zimmer bietet Platz für acht Patienten.

Während des Ersten Weltkriegs wird das Krankenhaus in ein Lazarett umgewandelt. Den Ärzten gelingt es, ihren guten medizinischen Ruf durch aufwändige, erfolgreiche Operationen von schwer verwundeten Soldaten weiter zu stärken. Nach Ende des Kriegs steigt die Patientenzahl weiterhin kontinuierlich.

Eigens für die Frauenheilkunde wird 1926 ein Neubau mit Entbindungsstation und einem weiteren Operationssaal errichtet. Sind es 1920 noch 54 Geburten pro Jahr, gibt die Jahresstatistik 1933 schon 225 Geburten an.

So sahen die Zimmer im Jerusalem früher aus

1933 bis 1945

Mit Beginn des Nationalsozialismus werden 1933 alle jüdischen Ärzte zwangsweise entlassen. Zunächst ist es Pastor Arnold Frank weiterhin möglich, die Diakonissenanstalt als geistlicher Leiter zu führen. Nachdem er hunderten jüdischen Christen die Auswanderung ermöglicht, gelingt es 1938 auch ihm selbst, das Land in letzter Minute zu verlassen. Während des nationalsozialistischen Regimes wird das Krankenhaus Jerusalem umbenannt in „Krankenhaus am Moorkamp“.

Franks Nachfolger, Pastor Helmut Weber, wird 1939 von der Wehrmacht eingezogen, das Krankenhaus stellvertretend von der damaligen Oberin Albertine von Coelln geleitet. Sie führt das Haus mit Tatkraft und Geschicklichkeit durch diese dunkle Geschichtsperiode.

Auf Albertine von Coelln folgen ab 1951 noch zwei weitere Oberinnen, die versuchen, es ihrer resoluten, aber beliebten Vorgängerin nachzumachen und die das Krankenhaus mit ebenso viel Herzblut führen. Doch der Schwestern-Nachwuchs bleibt aus. Pflegeberufe können zunehmend auch ohne Bindung an eine Gemeinschaft ausgeübt werden. Nach und nach gehen im Mutterhaus Jerusalem alle im Krankenhaus arbeitenden Diakonissen in den Ruhestand, die Arbeit wird mit angestellten Krankenschwestern fortgesetzt.

Gemeinde im Wandel

1962 wird die Jerusalem Gemeinde durch Kirchenvertrag Teil der Evangelisch-Lutherischen Kirche, die Diakonissenanstalt Jerusalem e.V. wird ein freies Werk in der Landeskirche. Ab 1980 nennt sich die gesamte Institution „Diakoniewerk Jerusalem e.V.“.

Die Medizin erlebt in den folgenden Jahren einen Wandel – das Behandlungsspektrum des Krankenhauses Jerusalem, das direkt nach Kriegsende seinen Namen zurückerhält, wird immer umfangreicher. Der Fortschritt bringt neue Möglichkeiten in der Medizin mit sich.

Neben den anfänglichen Hauptfächern der Inneren Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe etabliert sich das Fach der orthopädischen Chirurgie. Es werden neue Verfahren der operativen Behandlung von Fußfehlformen angeboten, Bandersatz-Operationen, Wirbelsäulen- und Tumorchirurgie, Gelenkspiegelungen, Knie- und Hüftgelenks-Endoprothetik, Kinderorthopädie und pädiatrisch-orthopädische Vorsorgeuntersuchungen aller Neugeborenen, womit das Jerusalem eine Pionierfunktion in Hamburg übernimmt. Ergänzt wird das Spektrum weiterhin durch physikalische Therapie im hauseigenen Schwimmbad, ein Schlaflabor und einer dem Krankenhaus angegliederten Kardioklinik mit Intensivstation.

Der demografische Wandel der Gesellschaft fordert Ende der Achtziger Jahre die Schließung der Geburtshilfe: Die Station zu erhalten, lohnt sich aufgrund des starken Geburtenrückgangs nicht mehr.

Strukturwandel

Das ursprüngliche Modell des Belegarztkrankenhauses bewährt sich noch viele Jahre. Doch mit der Einführung neuer Entgeltsysteme und einer Abwerbungswelle qualifizierter, spezialisierter Ärzte stößt das kleine, traditionell strukturierte Krankenhaus an seine ökonomischen Grenzen. Das Diakoniewerk Jerusalem hadert, überlegt, das Krankenhaus zu schließen, denkt darüber nach, daraus eine andere soziale Einrichtung zu machen oder es an einen andere n Krankenhausträger zu verkaufen. Der Arbeitsplatzerhalt für die Mitarbeiter im Sinne der ehemaligen Diakonie ist bei allen Überlegungen wesentliches Kriterium.

Vom Gemischtwarenladen zum spezialisierten Organzentrum

2007 fällt die Entscheidung: Das Krankenhaus Jerusalem wird von den seit mehreren Jahren im Krankenhaus als Belegärzte tätigen Gynäkologen Prof. Dr. Eckhardt Goepel, Dr. Timm Schlotfeldt und Priv. Doz. Dr. Kay Friedrichs sowie dem Kaufmann Dr. Harald Berninghaus übernommen. Diese vier stellen sich den Herausforderungen, die neue Entwicklungen im Gesundheitswesen mit sich bringen.

Mit der umfangreichen Umstrukturierung des Krankenhauses, das sie in der Vergangenheit liebevoll als „Gemischtwarenladen“ bezeichneten, gehen sie neue Wege und formen in Zusammenarbeit mit qualifizierten Kooperationspartnern ein modernes, interdisziplinäres Organzentrum mit Schwerpunkt „Brustgesundheit“.

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